Obwohl Kalender und Termine ein klassischer Fall für die Digitalisierung wären, vereinbaren wir unsere Arzttermine noch wie in den 80ern. Diese Seiten und Tools wollen das ändern.

Die Idee, Arzttermine online zu buchen, klingt recht einleuchtend und ist auch nicht ganz neu. Obwohl die ersten Startups zu Arztterminen in Deutschland schon in den frühen 2010ern gegründet wurden, ist der Standard bis heute noch das Telefon, die Warteschleife und „…wie sähe es bei Ihnen am Dienstag aus…“. Dabei scheint sich auf dem Markt jetzt etwas zu tun: Laut einer Umfrage des Gesundheitsportals Jameda (das selbst auch Online-Buchungen anbietet) haben 29 Prozent der Internet-Nutzer schon einmal online einen Termin gebucht, besonders in der Altersgruppe zwischen 26 und 46.

Aber auch wenn man sich dafür entschieden hat, einen Termin online zu vereinbaren, stellt sich die Frage: Auf welcher Seite? t3n hat die wichtigsten für euch zusammengetragen. Für den Schnelltest haben wir jeweils nach einem Orthopäden und einem Psychotherapeuten in Berlin gesucht. Beides Termine, auf die man sonst etwas warten muss.

Doctena

Doctena ist eines der größeren Portale für Online-Termine. Im Herbst 2016 hatte das luxemburgische Startups Doctena die Übernahme des bis dahin als deutschen Marktführer geltenden Startups Doxter bekanntgegeben.

Bei einem Schnelltest scheint Doctena auch ganz gut zu funktionieren: Man findet auf Anhieb rund 20 Orthopäden in Berlin, auch wenn man dann doch nicht bei allen einen Termin buchen kann. Aber vermutlich geht es schneller, sich einmal durch die Liste bei Doctena zu klicken, als alle anzurufen und zu fragen. Interessanterweise gibt es auch online mehr verfügbare Termine für Privatpatienten als für Kassenpatienten.

Aber mit Härtefällen hat es auch Doctena nicht leicht: Wer im verrückten Berlin nach einem der begehrten Termine bei einem Psychotherapeuten sucht, findet über Doctena lediglich eine Privatpraxis (für die man auch privat versichert sein müsste oder direkt selbst zahlt) und eine Kinder- und Jugendpsychologin.

Jameda

Das Portal Jameda gehört auch zu den Großen in Deutschland. 275.000 Ärzte, so die Plattform, seien dort registriert. Wenn man nach Orthopäden in Berlin sucht, findet man gleich einige Hundert. Dabei stellt Jameda die Bewertunge der Ärzte mehr in den Vordergrund als Doctena. Mit Filtern kann man die lange Liste bei Jameda nach Kategorien wie OnlinebuchungPrivatpraxis und Gesetzliche Krankenversicherungdurchforsten.

Auch bei der Psychologen-Testsuche schneidet Jameda recht gut ab: Es gibt 4.000 Therapeuten in Berlin, auch wenn etliche davon Heilpraktiker sind. Mit dem Filter Online buchen bleiben noch 39 Treffer übrig. Interessant nur, dass mir dabei dann gleich schon Werbung für die private Entzugsklinik Betty Ford am Bildschirmrand angezeigt wird. Was will der Algorithmus uns damit sagen?

Arzttermine.de

Arzttermine.de hat sich sicherlich von allen Anbietern die unmissverständlichste Domain gesichert. Im Schnelltest findet man auch etliche Hundert Orthopäden in Berlin. Allerdings gibt es keine praktischen Filter wie bei Jameda, und man muss sich durch die Liste scrollen, bis man einen passenden online-buchbaren Termin gefunden hat. Bei etlichen Orthopäden steht auch nur ein Button Termine Anfragen – Wir kümmern uns darum und rufen Sie zurück. Das ist zwar nett von Arzttermine.de, aber eigentlich war ein Rückruf nicht die Idee von „Arzttermine online“.

Auch Psychotherapeuten gibt es auf Arzttermine.de eine Menge. Allerdings müsste man auch hier bei vielen einen Termin anfragen und auf eine Antwort warten. Interessanterweise selbst bei einigen Therapeuten, die man auf Jameda gleich online in den Warenkorb hätte stecken können. Aber immerhin zeigt Arzttermine.de keine Werbung für Entzugskliniken an.

Doctolib

Die Website Doctolib ist in Frankreich sehr beliebt. In Deutschland findet man auch einige Ärzte und Termine, aber weniger als bei der Konkurrenz. Als Filter gibt es nur Verfügbarkeit und Versicherungsart. Das Sortiment ist groß genug, um einen Orthopädentermin an einem Samstag in Berlin zu ergattern. In Sachen Psychologie ist das Angebot aber deutlich überschaubarer. Von etlichen Ärzten kann man auch nur die Kontaktdaten einsehen, und so war das ja nicht gedacht mit den Online-Terminen.

Arzt-Auskunft

„Sie suchen einen Zahnarzt in Berlin, der seinen Behandlungsschwerpunkt auf Implantologie gelegt hat, auf metallfreien Zahnersatz spezialisiert ist und russisch spricht?“, wirbt das Portal Arzt-Auskunft vollmundig auf der Seite. Ja, natürlich, das suche ich. Also wähle ich aus den Menüs „Zahnarzt, Implantologie, metallfreier Zahnersatz, Russisch“. Und finde: nichts. Toll, so eine raffinierte Suchmaske. Man kann dort übrigens auch nichts online buchen, sondern nur „Empfehlung geben“. Der Nächste bitte.

Termed

Die Plattform Termed besticht durch schlichtes Design und makellose Stock-Fotos. Sie hat sogar einen „Innovationspreis IT“ gewonnen. Leider gibt es dort keine Ärzte. Weder Orthopäden, noch Allgemeinmediziner, noch Psychologen. Weder in Berlin, noch in Stuttgart.

Betty24

Irgendwo musste die Liste der funktionierenden Buchungsportale ja in die Liste der gescheiterten Medtech-Startups übergehen. Und vielleicht passiert das genau jetzt, wo wir bei Betty24 angekommen sind. Es gibt wenig bis keine Ärzte, dafür aber Stockfotos von einer Frau, die wahrscheinlich Betty24 heißt.

Neben den Portalen bieten mittlerweile auch Krankenkassen Arzttermine an. Einige der Krankenkassen leiten einen dann aber einfach an die Portale weiter. Über den TK-Ärzteführer der Techniker-Krankenkasse landet man beispielsweise wieder bei dem Portal Arzttermine.de. Die IKK hingegen schickt den Nutzer weiter zu Doctena. Die DAK hingegen kann man anrufen, dann rufen die einen Arzt an, und melden sich wieder.

 

Source:
t3n.de